Wer schreibt denn so spät noch ein Gedicht?
Es ist Herr Goethe im Dämmerlicht.
Er wiegt die Reime wohl zärtlich fein,
doch plötzlich, da fällt ihm nichts mehr ein.

“Was stehst du so spät noch hier am Pult?”
fragt ihn Christiane voll Ungeduld.
“Ich schreibe Dir ein Liebesgedicht,
doch meine Gedanken fließen nicht.”

“Ach Liebster, lass doch das Dichten sein!
Ich lieg’ schon seit Stunden so allein.
Ich möcht’ nicht lesen von der Liebe,
möcht’ spüren all die süßen Triebe!

Komm, mein Geliebter, folge mir nach!
Komm mit mir in unser Schlafgemach!
Hier kannst du rasten, kannst du schmusen
und dich ergötzen an meinem Busen!”

Da leistet er keinen Widerstand
und folgt ihr gern in himmlisches Land.
Er öffnet ihr das feine Mieder,
und alsbald sinken beide nieder.

Was sonst noch geschah in jener Nacht,
hat Eckermann uns nicht überbracht.
Tags drauf schrieb Goethe mit leichter Hand:
“Von meiner Liebe so zartem Band.”

Am Abend liest er die Verse vor.
Christiane lauscht mit offenem Ohr,
und hochbeglückt sie zu ihm spricht:
“Das ist das schönste Liebesgedicht!

Mit all den Worten, die du findest,
noch fester du mich an dich bindest.
Oh Liebster, du bist ein Genie! -
Im Bett und in der Poesie.”

(c) Wolfgang Lörzer /07.07.07

Sie zappen durch das Leben
wie durch das Fernsehprogramm.
Nach Lust und Spaß sie streben,
nach Kicks und nach Tamm-Tamm.

Sie zappen durch die Zeiten
und drücken weg den Frust.
Mit fremden Programmen bereiten
sie sich ihre Lebenslust.

So zappen sie weg vor dem Graus,
der manchmal sie drohend beschleicht.
Und fällt das Programm einmal aus,
wird’s zappenduster sogleich.

Sie zappen immer weiter
und füllen die Leere aus.
Sie geben nach außen sich heiter
und fühlen sich nirgends zu Haus.

(c) Wolfgang Lörzer

Es hat ein Eh’mann in Hagen
im Rausch seine Frau erschlagen.
Als er wieder nüchtern,
fragte er schüchtern:
“Woll’n wir uns wieder vertragen?”

(c) Wolfgang Lörzer

Ein Sportlehrer aus Saarbrücken
klagt über Schmerzen im Rücken.
Er geht zum Masseur.
Da passiert ein Malheur.
Jetzt kann er sich nicht mehr bücken.

(c) Wolfgang Lörzer

Sie haben den Wein gerochen
und sind in die Flasche gekrochen.
Sie tranken vom süßen Wein
und schliefen im Flaschenrumpf ein.

Sie träumten von süßen Zeiten
und taten heruntergleiten
an glitschiger Flaschenwand.
Da hat der Tod sie gebannnt.

Achtundachtzig kleine Fliegen
hier im Flaschensarge liegen.
So endet mancher Traum hienieden.
Das Glück ist anderen beschieden.

(c) Wolfgang Lörzer

Freibad, Samstag kurz nach vier.
Menschenmassen lagern hier.
Auf den Tüchern, Decken, Matten,
in der Sonne und im Schatten.

Auf den Wiesen, in den Becken,
ausgenützt sind alle Ecken.
Der Schatten lockt, ein Lüftchen weht.
Das folgende Gedicht entsteht.

Es beschreibt von hier und heute
kurz, prägnant ein paar der Leute,
die an diesem Sommertag
das Freibad nehmen in Beschlag.

Studienrätin Gerda Rahn
zieht im Wasser ihre Bahn.
Und denkt dabei ganz unbeschwert,
dass sie demnächst nach Finnland fährt.

Herr Werner spricht zu seiner Frau:
“Das Probleme seh’ ich genau.”
Doch er denkt so für sich still:
“Ich weiß nicht, was sie wieder will!”

Der Oberschüler Wolfgang Klein
reibt seinen Bauch mit Nussöl ein,
in Gedanken bei Sabine.
Sie zieht sich aus in der Kabine.

Ralf zeigt Kurt sein neues Handy:
Kuck mal, supergeil und trendy!”
Kurt meint nur: “Ey, super Mann!”
Und denkt für sich: “Mensch, gibt der an!”

Frau Lüders paukt mit Sohn Karl-Heinz
auf einer Bank das Einmaleins.
Sie sagt: “Üben kann nicht schaden.”
Er denkt: “Wann darf ich endlich baden?”

Der Programmierer Rainer Klatt
überfliegt ein Börsenblatt.
“Steig ‘ ich jetzt bei Siemens ein?
Oder lass’ ich’s lieber sein?”

Herr Maurer schaut versonnen froh
der Nachbarin auf den Popo.
Und denkt für sich: “Nein, die Figur!
Oh, welch ein Wunder der Natur!”

Und in dem Treiben mittendrin,
ein ält’rer Herr, der ich wohl bin.
Ja, da mittendrin ich sitze,
höre, schaue, schreibe, schwitze.

Mache mir so manchen Reim
und gehe dann um sieben heim.
Ich frage mich beim Abendessen,
ob das Gedicht nicht sehr vermessen.

Denn erschrocken bin ich schon
über manch Indiskretion.
Ich frage mich erstaunt, seit wann
ich Gedanken lesen kann.

(c) Wolfgang Lörzer

Pössel sah zum Zeitvertreib
die Dame ohne Unterleib
in einer Jahrmarktsbude
im kalten Buxtehude.

Den Verlust des Unterleibes
dieses attraktiven Weibes
konnte Pössel gar nicht fassen:
“Wo hat sie das Teil gelassen?”

Irritiert fährt er nach Haus
und zieht sich ängstlich zögernd aus.
Doch die Angst ist unbegründet,
weil er alles wiederfindet.

(c) Wolfgang Lörzer

Es suchte ein Junge aus Bayern
verzweifelt nach Ostereiern.
Die Mutter rief: “Sepp!
Du bist doch ein Depp!
Wir wollen heut’ Weihnachten feiern!”

(c) Wolfgang Lörzer

Auf, du lieber Weihnachtsmann!
Jetzt kommt deine Zeit heran.
Die Weihnachtszeit, die bringt viel Stress.
Woll’n ins Kaufhaus uns begeben
und den Umsatz dort beleben.
Ei, das wäre doch gelacht!
Auf geht’s in die Käuferschlacht!

Für die Oma einen Schal.
Die Entscheidung ist ‘ne Qual.
Die Weihnachtszeit, die bringt viel Stress.
Für die Kinder neue Spiele.
Ach, hier gibt’s undendlich viele!
An der Kasse stehn wir an,
schwer bepackt wie’n Weihnachtsmann.

Müde kommen wir nach Haus,
packen unsern Einkauf aus.
Die Weihnachtszeit, die bringt viel Stress.
Später fällt uns plötzlich ein,
wir vergaßen Onkel Hein.
Morgen ziehn wir nochmal los.
Weihnachtstrubel ganz famos!

Zwischendurch besorgen wir
Karten und Geschenkpapier:
Ein’ Weihnachtsgruß für jedes Haus.
Packen, schreiben und versenden.
Bald stehn wir mit vollen Händen
auf der Post in langer Reih’.
Schließlich geht auch das vorbei.

Jetzt fehlt noch der Tannenbaum.
Schön geschmückt ist er ein Traum.
Die Weihnachtszeit, die bringt viel Stress.
In der Stadt ein Bäumchen suchen
und vor Kälte leise fluchen.
Endlich greift man freudig zu.
Ab nach Haus geht es im Nu.

Dann ist Heiligabend da.
Post traf ein von fern und nah.
Und endlich fällt er ab, der Stress.
Freu’n uns auf die Feierstunde,
sitzen da in froher Runde.
Alles Liebe kam hier an.
Danke, lieber Weihnachtsmann!

* Zu singen nach der Melodie:
“Auf, du junger Wandersmann”

(c) Wolfgang Lörzer

Wer nackten Gedanken ein schönes Kleid
anziehen möchte, kleidet sie in Reime.

(c) Wolfgang Lörzer